Psychotherapie

Moderne Therapieverfahren zielen auf Lösungen und die Mobilisierung von Ressourcen, nicht auf Defizite und frühere Konflikte.

Die adäquate Behandlung der Depression muss stets Psychotherapie beinhalten. Da jede Patientin und jeder Patient über ein individuelles emotionales Profil verfügt, ist eine jeweils hierauf abgestimmte Behandlung erforderlich. Diese führt idealerweise zu einem veränderten Umgang mit Stress und zur Korrektur der negativen individuellen Bewertung und Verarbeitung der persönlichen stressreichen Lebensereignisse.

An psychotherapeutischen Verfahren sind die Verhaltenstherapie (VT) und die interpersonelle Psychotherapie (IPT) aktuell am besten untersucht und in ihrer Wirksamkeit belegt. Sie reduzieren langfristig zudem das Rückfallrisiko und werden mit sehr gutem Erfolg sowohl in der ambulanten Behandlung als auch im Krankenhaus eingesetzt. Bei diesen modernen Therapieverfahren liegt der Behandlungsschwerpunkt vor allem auf dem Finden von Lösungen und der Mobilisierung von Ressourcen, nicht auf der alleinigen Suche nach alten Konflikten und Ursachen sowie der Beschäftigung mit Defiziten.

Unser Fühlen, Denken und Handeln beeinflussen sich ständig gegenseitig und wirken auf unsere Körperfunktionen. Auf diese Weise wird die gedrückte Stimmung beispielsweise noch durch negative Gedanken verstärkt. Sozialer Rückzug, der oft die natürliche Folge des schlechten Befindens ist, verstärkt wiederum die unangenehmen Gedanken und Gefühle. Dies erzeugt neuerlichen Stress, der diesen Teufelskreis, in dem depressive Menschen regelrecht gefangen sind, noch mehr verstärkt. Die psychotherapeutische Behandlung bietet Ansatzpunkte, um den Teufelskreis der Depression zu durchbrechen. Oft ist es wichtig, mit therapeutischer Unterstützung wieder mit Aktivitäten zu beginnen, die die Stimmung verbessern können. In der Depression schaffen sehr viele dies nicht mehr alleine.

Ebenso ist es wichtig zu erkennen, wie in der Depression bestimmte Situationen nahezu automatisch bestimmte negative Gefühle und Gedanken auslösen. Typisch depressives Denken ist einseitig und negativ verzerrt. Die Depression zwingt dazu, alles durch eine dunkle Brille sehen zu müssen. Psychotherapie hilft, diese Brille wieder langsam abzunehmen.

Achtsamkeit
Achtsamkeit (engl. mindfulness) ist das Gegenteil des krank machenden Multitasking, nämlich das klare und nicht wertende Empfinden dessen, was im aktuellen Augenblick geschieht. Körperempfindungen, Gedanken, Gefühle, egal ob angenehm, unangenehm oder neutral, sollen lediglich betrachtet und so akzeptiert werden, wie sie sind. Im anforderungsreichen Alltag geht diese Fähigkeit oft verloren – wir tun das eine und denken an vieles andere.

Das kann auf Dauer zu chronischem Stress führen. Das Wiedererlernen von Achtsamkeit kann heilsam sein. Vereinfacht gesagt, lernt man in dieser Therapieform unter anderem, zu einem bestimmten Zeitpunkt auch nur eine Sache zu erledigen. Daneben haben viele Depressive ihr Körpergefühl verloren, sie können zum Beispiel nicht mehr unterscheiden, ob sie angespannt oder entspannt sind. Hieran kann man arbeiten und auch die Fähigkeit, sich schnell zu entspannen, ist wieder erlernbar.

Schematherapie
Die Schematherapie ist derzeit eines der wirksamsten und pragmatischsten Therapieverfahren bei potenziell krank machenden Persönlichkeitsmerkmalen, welche zur Entwicklung einer Depression beitragen können. Sie erweitert die Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie um Elemente psychodynamischer Konzepte und anderer bewährter Therapieverfahren wie beispielsweise der Transaktionsanalyse, der Hypnotherapie und der Gestalttherapie. Die Betroffenen profitieren enorm und in kurzer Zeit. Die Schematherapie geht davon aus, dass in der Kindheit und im Verlauf des Lebens Schemata, d.h. Verhaltensmuster, erworben werden, die Erinnerungen, Emotionen, Kognitionen und Körperempfindungen beinhalten und das Verhalten krank machend beeinflussen können. Ein sogenanntes maladaptives Schema entsteht häufig durch schädliche Kindheitserlebnisse, die auf der Verletzung menschlicher Grundbedürfnisse basieren. Dabei sind traumatische Erlebnisse oder die Erfahrung der Nichterfüllung wesentlicher Bedürfnisse – wie beispielsweise Zuwendung oder Schutz – durch die frühen Bezugspersonen besonders wichtig. Diese Verhaltensmuster können im Einzelfall – z.B. durch die Überbetonung von Leistung, Perfektion und Zuverlässigkeit – so stresserzeugend sein, dass sie in einem Burnout münden. Durch das Erkennen der Schemata kann das krank machende Verhalten günstig beeinflusst werden.


 

Nützliche Links:

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Psychotherapiestudie

Interview

Schematherapie 1

Schematherapie 2

Verhaltenstherapie

Zeit Online

Süddeutsche Zeitung